Paddock Paradise - Umsetzung 

Paddock Paradise des AANHCP im kalifornischen Lompoc 

Jaime Jackson hat uns in seinem Buch "Paddock Paradise" eine ausführliche Anleitung mit an die Hand gegeben und nun in Lompoc ein eigenes exemplarisches Paddock Paradise (PP) verwirklicht. In diesem Küstengebirge können sogar in der Dämmerung Pumas gesichtet werden. Sie stellen nur für Fohlen eine Gefahr dar, dennoch bieten Sie einen wertvollen Impuls für natürliches Verhalten.    

Tracklänge oberer Teil: 800m

Das PP ist in zwei Bereiche gegliedert:  

Der obere Teil liegt ca. 120m über der Talsohle. Dort sind 7 Futterstationen mit je mindestens einem Pfosten für Heunetze pro Pferd auf 800m Track verteilt. Von Station zu Station werden verschiedene Heusorten angeboten. Nur an den Futterstationen ist der Track breiter und lädt zum Verweilen ein, dazwischen ist er in etwa von der Breite einer Forststraße. Im oberen Bereich war meist kein Außenzaun notwendig, da der Hang rundherum steil ansteigt bzw. abfällt. Die Pferde haben kein Verlangen danach, ihr Paddock Paradise zu verlassen und in die unwegsamen Randbereiche vorzudringen.  

Der untere Bereich im Tal besteht aus einem größeren Paddock mit einer Kuhle aus Feinsand zum Wälzen, einem Unterstand, der Tränke und, außerhalb des Paddocks, den Temporärbauten für die Heulagerung etc.. Eine Baugenehmigung für permanente Gebäude war nicht zu erhalten. Hier unten, in der Nähe der Futtervorräte, bekommen zum Beispiel auch ältere Pferde ihre extra Portion Hafer individuell gereicht.  

Einmal täglich werden die Heunetze erneuert und es werden die Pferdeäpfel abgesammelt und in der inneren Wiese verteilt. Der Zeitaufwand hierfür beträgt bei 4-5 Pferden ca. 1-2 Stunden.

Die Pferde in diesem Paddock Paradise erhalten keinerlei Weidegang. Sie sind kerngesund und vital, interessiert an allen Aktivitäten in ihrer Umgebung und sie haben ein glänzendes Fell und athletische Körper durch den täglich vielfach bewältigten, stellenweise steilen Höhenanstieg vom unteren auf das obere Niveau der Anlage. 

 

Weitere Beispiele in Europa

Europaweit gibt es bereits vermutlich tausende von Paddock Paradise Einrichtungen. Die Betreiber der im Folgenden vorgestellten Anlagen sind einen weiten Weg gegengen und haben weder Kosten noch Mühe gescheut. Hut ab! Ich bewundere diesen Einsatz zum Wohle des Pferdes und alle PP Betreiber können sich meiner vollsten Anerkennung sicher sein. Ich bin allen sehr dankbar, dass ich meine Fotos von ihren Anlagen als Anschauungsmaterial verwenden darf, und ich wünsche mir sehr, dass sie zur Entstehung vieler neuer Anlagen inspirieren! 

Es ist leicht, aus der Distanz Kritik zu üben... Meine Verbesserungsvorschläge wollen nicht Besserwisserei sein, sondern edukativer Input für den Leser, der mit dem Gedanken spielt, ein eigenes Paddock Paradise zu verwirklichen. Manchmal sitzt der Teufel im Detail und es will nicht so recht klappen mit der Bewegung. Vernetzen Sie sich mit den inzwischen vielen Internetforen und Gruppen in sozialen Netzwerken. Tauschen Sie sich aus über Ihre Erfahrungen.  

 

Paddock Paradise Hohenpeißenberg, Bayern 

Hier sehen Sie eine Anlage in Bayern mit 15-20 cm Wandkies Aufbauhöhe als Trackmaterial. Darunter wurde ein Flies eingebaut.   

Mir gefällt diese Anlage besonders gut, da die Beläge auf dem Track ähnlich abriebintensiv und hart sind wie die Untergründe, denen die Hufe im Gelände standhalten müssen mit dem "Zusatzgewicht Reiter".  

In dieser Anlage befinden sich 11 Pferde (5 Einsteller, 6 eigene) auf 500m Track mit zwei Unterständen.


Es ist nicht notwendig, die ganze Breite des Tracks in Kies aufzuführen. Es genügt, die notorischen Feuchtstellen des Tracks oder einen schmalen Weg rundherum zu befestigen, so dass eben in feuchten Perioden ein Durchkommen für Pferd und Mensch (und evtl. Hoftruck) möglich und sicher ist. Wie auf den Bildern zu sehen ist, kreieren die Pferde ihre eigenen Pfade (Trails) auf den Tracks, meist nutzen sie also gar nicht die ganze Breite des angebotenen Tracks. Da dieses Grundstück im Außenbereich liegt, musste für die Baugenehmigung des Tracks und der Unterstände die Wirtschaftlichkeit der landwirtschaftlichen Unternehmung nachgewiesen werden. Hierfür wurde in diesem Fall sogar ein Gutachten angefertigt. Das Paddock Paradise musste Gewinn erwirtschaften über die Einkünfte der eingestellten Pferde. Reitunterricht kann nicht als Teil der erwirtschafteten Gewinne angerechnet werden, da dies nicht landwirtschaftliche Einkünfte sind. Die eigenen 6 der insgesamt 11 Pferde auf dem Track werden ebenfalls als Einsteller betrachtet, die Lebenspartnerin des Eigentümers wird in diesem Fall als zahlende Einstellerin für ihre 6 Pferde angesetzt.  

Der Track stellt genehmigungstechnisch die Zufahrt zu den zwei Weidehütten (Unterständen) dar. Da außerdem die insgesamt 4 Heunetze per Traktor und Frontlader mit je einem ganzen Rundballen bestückt werden, ist ein so breiter befestigter Track hier durchaus sinnvoll. Auch hier auf den Kieswegen haben die Pferde ihre eigenen Trails geformt.  

Anfänglich waren die zwei Unterstände mit Einstreu ausgestattet als bequeme Liegefläche. Da sie jedoch hauptsächlich zum spritzarmen Urinieren verwendet wurden, kamen die Betreiber davon ab. Aus diesem Grund gibt es auch noch kein Sandbad. Es soll bald eine Pferdetoilette mit Hackschnitzeln angelegt werden. Dann kann evtl. auch ein Sandbad folgen. 

Die Trinkwasserversorgung, die bisher über Regenwassersammlung aus den zwei Dachflächen und aus der Drainage am Rand des Waldstücks erfolgt, soll in naher Zukunft geändert werden. Ferner möchten die Betreiber Sand auf dem Track aufbringen, um eine mehr bindige Oberfläche zu erhalten. Das Wandkies lag in einer unerwartet guten (sprich feinteilarmen) Qualität vor in der Kiesgrube und so ist der Track im Augenblick von recht rolliger und zusammenhangsloser Beschaffenheit. 

Zwei Verbesserungsvorschläge hätte ich hier anzubringen: 

Die Pferde erhalten täglich zwei Stunden Weidegang während der Säuberung des Tracks. Ich rate grundsätzlich dazu, komplett ohne Weidegang auszukommen. Manche Pferde reagieren auch auf kurzen Weidegang bereits mit einer Degeneration der Hufe. 

Im Moment befinden sich an jedem Unterstand Heu, Wasser und Lecksteine. Um mehr Bewegungsimpulse zu schaffen, könnten die "Attraktionen" Heu, Wasser,  Mineral- und Salzlecksteine und Witterungsschutz entzerrt werden. Dazu Heu und Wasser möglichst weit entfernt voneinander positionieren,  Lecksteine entlang des Tracks etwas über Bodenhöhe anordnen. Eventuell ein kleines Regendach über den Steinen anbringen.  

Für Perfektionisten: Wenn man maximalen Bewegungsanreiz anstrebt, könnte man sogar noch das Heu außerhalb des Unterstandes anbieten, um den Unterstand selbst auch als separate Attraktion zu nutzen (Schutz vor Sonne/Wind/Niederschlag). Dazu müsste man aber wahrscheinlich das hier praktizierte und durchaus arbeitssparende System des Aufhängens kompletter Rundballen in einem großen Netz aufgeben und auf kleine Heunetze umsteigen. Diese werden an einem Tag leergefressen und Verhindern so die Schimmelbildung im Heu bei feuchter Witterung. 

 

Manege zonder Drempels, Bennekom, Niederlande

Dieses PP ist landschaftlich sehr reizvoll umgesetzt worden. Mit bepflanztem Teich, Entenfamilie, gepflegten Tracks...Die hübsche Zeichnung der Tinker trägt ihren Teil zum malerischen Anblick bei.  

Es ist eine kommerzielle Anlage. Kinder mit Behinderung werden zu therapeutischen Zwecken in einem speziellen Wagen spazierengefahren. Sie sitzen in diesem Wagen auf einer Plane direkt auf den Pferderücken und werden hin- und hergeschaukelt. Aufgrund der Reibung verlieren die Tiere dabei recht viel Fell und sind so in ihrer "Freizeit" auf dem PP meistens mit Decke anzutreffen, zum Schutz gegen Sonnenbrand an den kahlen Stellen.  


Bei meiner Besichtigung dieser Anlage waren alle Heubottiche leider leer. Wenn der Bewegungsstimulus Futtersuche funktionieren soll, muss immer Heu in möglichst allen Stationen vorzufinden sein. Am besten unterschiedliche Sorten von Station zu Station, sonst gibt es ja wenig Grund, eine Station zu verlassen, so lange noch Futter übrig ist.

Ferner war der gesamte Track aus recht feinem Sand. Ein Verbesserungsvorschlag von meiner Seite wäre hier, an manchen Stellen noch andere, möglichst auch härtere, abriebintensivere Beläge einzubauen.

Insgesamt aber ist die Anlage wunderschön und meine Änderungsvorschläge ließen sich schnell und einfach umsetzen. 

 

De Paardenmaat, Arnhem, Niederlande

Dies ist eine größere kommerzielle Anlage in den Niederlanden. Der Unterstand für die Pferde ist entlang der Längsseite der Reithalle unter der Dachverlängerung verwirklicht worden. Auch dieses Paddock Paradise ist landschaftlich sehr reizvoll angelegt. Das gemütliche Reiterstübchen mit Grillplatz und Gartenhütte laden zu geselligen Abenden ein. Sozialisierung zwischen den Einstellern ist gewiss keine schlechte Idee zur Minimierung zwischenmenschlicher Reibungspunkte. Auch hilft das Schaffen von einladenden Orten zum Verweilen auf der Anlage dabei, dass sich die Nutzer besser mit dem Konzept identifizieren. Sie fühlen sich berücksichtigt und integriert. Es können in solchen Räumen auch Vorträge zum Haltungskonzept Paddock Paradise veranstaltet werden, so dass die Nutzer "mitgenommen" werden und durch ihr eigenes, informiertes Verhalten dazu beitragen können, dass die Idee in der alltäglichen Umsetzung auch wirklich funktioniert. Kleine Details bewirken hier oft große Veränderungen im Verhalten der Pferde. 


So ist mir zum Beispiel bei der Besichtigung dieses PP aufgefallen, dass alle Heubehälter (die schwarzen Gummitröge aus Altreifen), die auf dem Track verteilt waren, leer waren! Auch wurde mir gesagt, dass die Pferde zweimal täglich in die noch vorhandenen Boxen gelassen wurden, um dort ihre individuelle Hafer- und Mineralfutterration zu erhalten. Dies wiederspiegelte sich im Verhalten der Tiere: sie standen stundenlang unter dem Unterstand am Reithallenrand und warteten auf Futter.  

Wenn Ihre Tiere sich nicht auf dem Track bewegen wie gewünscht, dann sollten Sie immer wieder überprüfen, ob noch Anreize zu Bewegung vorhanden sind, oder ob Sie dieses natürliche Umherstreifen durch Ihre eigene Routine in der Fütterung z.B. überflüssig gemacht haben. 

 

Handgefertigtes Paddock Paradise Anschauungs-Modell 

Auf der Homepage meiner Kollegin Katharina Füßinger finden Sie ein wunderschönes handgefertigtes Paddock Paradise Modell. Auch das liefert wertvolle Anregungen. Ein Hinweis dazu sei erlaubt: Sackgassen wie in der Hauszufahrt sollten in einem PP vermieden werden, damit keine rangniederen Tiere in die Enge getrieben werden können.

 

Paddock Paradise Kurzanleitung 

Sie brauchen kein riesiges Gut, um Ihr eigenes PP in die Tat umzusetzen. Einige hundert Meter Umlauflänge genügen. Das kann bereits mit einem Hektar Grund gelingen. Es geht darum, wie wir das Grundstück nutzen, nicht wie groß es ist.   

Unser wichtigstes Ziel ist es, die Pferde zu Bewegung anzuregen. Dafür zäunen wir einen ca. 3-5 m breiten Track ab innerhalb der äußeren Umzäunung, der ihren Instinkt aktiviert. Als nächstes wollen wir ihnen viele interessante Aktivitäten anbieten entlang ihres Tracks, die ihnen den Anreiz zu Bewegung geben. Diese sollten möglichst auf dem ganzen Areal verteilt sein. Können verschiedene Bedürfnisse an ein und demselben Ort befriedigt werden, wozu soll man sich dann noch bewegen?  

Attraktionen können sein:

  • eine Sandkuhle zum Wälzen
  • Schatten in einem Waldstück oder Unterstand
  • Schutz vor Niederschlag  
  • Schutz vor Wind
  • eine Tränke auf Bodenniveau oder besser noch: natürliche Wasserstelle zum Hineinsteigen
  • Verschiedene Futterstationen entlang des Weges, jedoch weit entfernt vom Wasser. Wenn Sie unterschiedliche Heusorten füttern, bieten Sie diese an unterschiedlichen Stationen an. 
  • Mineralblöcke und Salzlecksteine. Nutzen Sie diese als eigene Station, und sie werden zu einem weiteren Antrieb.  
  • ein Waldstück. Pferde sind neugierig, knabbern gerne Rinde, scheuern sich an Stämmen und sausen in Formation durch das Unterholz, das sie allerdings innerhalb weniger Wochen  ziemlich platt machen.
  • Breitere Track-Bereiche zum Aufenthalt. Dort ist Platz für Rangeleien oder Fellpflege.
  • Ungiftige Büsche und Sträucher, die Ihre Pferde mit abwechslungsreichen Nährstoffen und Vitalstoffen versorgen und eine natürliche Beschäftigung darstellen. Hagebutten zum Beispiel sind sehr gesund für die Hufe, Nadelbäume enthalten Vitamin C...
  • Falls Sie mit Pferden züchten, können Sie einen Bereich gestalten, der als Geburtszelle fungieren kann. Geschützt, abseits des "Verkehrs" und doch in der Nähe der wartenden Herde. Es ist wundervoll, den Hengsten bei ihrer väterlichen Fürsorge für ihre Familie zuzuschauen. Bitte lassen Sie den Hengst bei Mutter und Kind!

Weitere Tipps:

  • Sorgen Sie dafür, dass der Track möglichst wenig Grasbewuchs aufweist. Sie können auch Futterkonkurenz  wie zum Beispiel Schafe in Ihrem PP halten, die dem Gras zu Leibe rücken.
  • Bieten Sie unterschiedliche Untergründe an: weiche, harte, glatte, unebene,...
  • Baumstämme können quer über den Track gelegt werden, als Cavaletti-Training quasi.
  • Sammeln Sie täglich die Pferdeäpfel ab. Dies hält die Wurmpopulation niedrig und verhindert, dass Ihr PP ein überdimensionaler Komposthaufen wird.
  • Im Innenbereich Ihres Grundstückes können Sie Reitplätze anlegen oder Heu machen, etc..

 

Ernährung 

Wichtige Grundlagen hierzu finden Sie  im Kapitel über die Fütterung (untergeordnete Seite zu Barhuf - Geht das?). 

Fotonachweis:

Alle Fotos auf dieser Seite (Paddock Paradise - Umsetzung) wurden von mir selbst angefertigt. Es wurde von allen Betreibern der verschiedenen Anlagen die freundliche Erlaubnis erteilt, die Fotos auf meiner Homepage abbilden zu dürfen.  

Die Fotos dürfen nicht  von Dritten heruntergeladen und anderweitig verwendet werden ohne mein Einverständnis und das der Betreiber. Vielen Dank für Ihr Verständnis.