Der Natural Trim  

Der Natural Trim nach Jamie Jackson bedeutet vor allem eines: wir erledigen nur das, was die Natur selbst erledigen würde, wären die Pferde in Freiheit. Diese Art von Natural Hoofcare ist niemals invasiv. Primum non nocere ist hier der oberste Leitsatz: "Füge zuerst einmal keinen Schaden zu." (Hippokrates)  

Damit unterscheidet sich der Natural Trim ganz grundlegend von vielen anderen (vermeintlichen) "Natural Hoofcare" oder "NHC" Methoden. Die Essenz liegt in dem Wort "Natural" und seiner präzisen Bedeutung. Ist es natürlich, einem Pferd die Sohle fast papierdünn zu schneiden, um "mehr Hufmechanismus und Trampolineffekt zu ermöglichen"? Oder ist es natürlich, einem Pferd die Eckstreben bis auf die Huflederhaut herauszuschneiden, um Zwanghufe dazu zu zwingen, sich im Trachtenbereich zu öffnen, dadurch dass der strukturelle Zusammenhalt des Hufes zerstört wurde? Oder ist es natürlich, dem Pferd die Hufwand rundherum derart zu kürzen, dass es vorwiegend auf seinen Sohlen geht? Oder glauben wir in diesen Beispielen nur, es besser zu wissen und zu können als die Natur selbst?

Immer wieder geraten wir Hufpfleger an Pferde, die einen solchen "korrektiven" Eingriff erfahren haben und immer gibt es eine Theorie dazu, die ihn scheinbar zwingend notwendig machte oder rechtfertigt. Doch diese Pferde haben Schmerzen und gehen fühlig oder sind gar lahm, und die Heilung braucht ihre Zeit. Seien Sie also skeptisch, wenn jemand am Huf Ihres Pferdes invasive Eingriffe durchführen möchte, die er ausschließlich mit vom Menschen erdachten Theorien und augenscheinlicher Logik rechtfertigen, nicht aber ihr Vorkommen in der Natur nachweisen kann. Das hat nichts mit natürlicher Hufpflege zu tun, da wird an Symptomen "herumrepariert", die ihre Ursache in der Haltung, Fütterung, Reitweise oder in einer unnatürlichen Hufbearbeitung in der Vergangenheit haben. 

Wie findet man den Weg zu wirklich natürlicher Hufpflege?  

Jaime Jackson führte sein Weg in die Natur: er beobachtete in den 80er Jahren vier Jahre lang die Wildpferde und ihr Verhalten. Er vermaß nach "Round-ups" (Fangaktionen) durch das Bureau of Landmanagement die Hufe von über 100 frisch im Great Basin gefangenen Wildpferden im Sommer und im Winter und erstellte eine Verteilungskurve für alle relevanten Maße. Von einigen Tieren, die bei der Fangaktion ums Leben kamen, konnten Hufpräparate hergestellt werden, die heute allen Studenten als Anschauungsmaterial dienen.  

 

Mustanghufe, Great Basin


Aufgrund dieser akribischen Studien wissen wir heute sehr viel darüber, was die Merkmale eines natürlichen Hufes sind und was nicht. Aus diesen Merkmalen folgerte er seine Leitlinien für den natürlichen Trimm. Das spiegelt sich wieder in unserem Mission Statement: 

 

AANHCP Vital Mission 

The vital mission of the AANHCP (Association for the Advancement of Natural Horse Care Practices) is to advance the humane care and management of domestic equines worldwide through the application of proven practices and principles based on the research and findings of wild, free roaming equines living in the U.S. Great Basin.

 

Wir imitieren mit dem Natural Trim also die natürliche Abnutzung. Das heißt konkret:

  • Wir dringen niemals in lebendige Strukturen ein oder rufen Blutungen hervor.
  • Wir schwächen nicht die Hufwand, die Sohle oder die Eckstreben in ihrer Tragfunktion   oder machen den Huf überempfindlich.
  • Wir respektieren die Heilkräfte der Natur.

 

Außerdem betrachten wir den Huf als Teil des Gesamtorganismus des Pferdes und wissen, dass die artgerechte Ernährung und Haltungsweise, sowie die Reit- oder Arbeitsweise mit dem Pferd und die Bewegung des Pferdes ohne Reiter neben dem Trimm die weiteren Säulen eines gesunden Hufes bzw. Pferdes insgesamt darstellen. Die eine Säule kann die andere nicht ersetzen, alle müssen mit in Betracht gezogen werden. 

In seinem Buch The Natural Trim - Principles and Practice beschreibt Jamie Jackson den Pferdehuf so (frei übersetzt aus dem Englischen):

Der Huf ist nicht einfach ein Gebilde, das es zu kürzen gilt. Er ist vielmehr ein einzigartiger biodynamischer Organismus bestehend aus einem umfassenden, intelligenten Gefäßgeflecht, das auf zahlreiche Einflüsse reagiert, sich zurückzieht oder sich neu organisiert.  

Wir können also mit der entsprechenden Fachkenntnis an unseren Pferden einen nahezu perfekten Wildpferdehuf "wachsen lassen", vorausgesetzt die Haltung, die Fütterung und die Art und das Pensum an Bewegung entsprechen den natürlichen Bedürfnissen des Pferdes. Wir beeinflussen durch unseren Trimm die Reize, die später bei der Belastung des Hufes an die Huflederhaut weitergegeben werden, und die das weitere Wachstum des Hufes steuern.

Der Hoof Meter Reader liefert Zehenwinkel und -länge


Die Art der Beanspruchung und des Untergrundes bestimmen die Hufbeschaffenheit jedoch wie gesagt wesentlich mit! Ein nicht passender Sattel kann zum Beispiel zu abgeschliffenen Zehen führen. Eine unnatürliche Reitweise kann zu unnatürlichen Abnutzungsmustern am Huf führen oder das Wachstum einer unnatürlichen Hufform anregen. Dass die Fütterung einen wesentlichen Beitrag zur Hufgesundheit leistet oder eben häufig großen Schaden anrichtet, kann man nicht oft genug erwähnen.  

Jaime Jacksons Buch The Natural Horse ist in diesem Zusammenhang ein besonders wertvoller Fundus. Es liefert uns die natürlichen Bewegungen und Verhaltensweisen des Pferdes, die in freier Wildbahn beobachtet werden können. Daraus können wir Schlüsse ziehen, wann wir unnatürliche Bewegungen von unserem Pferd verlangen, womit wir ihm womöglich Schaden zufügen in seinen Hufen oder im Bewegungsapparat insgesamt.  

 

Noch detailliertere Infos zu NHC

folgen Sie diesem Link zu meinem Fachartikel im Reiterkurier, Ausgabe Okt 2014

oder als PDF file zum Herunterladen: 

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Artikel über Natural Hoofcare nach Jamie Jackson im Reiterkurier

Fotonachweis: 

Die Fotos der Wildpferdehufe in Jaime Jacksons Besitz auf dieser Seite (der Natural Trim) wurden von mir selbst angefertigt.   

Foto "Der Hoof Meter Reader...": Phil Hunter. 

Die Fotos dürfen nicht heruntergeladen und anderweitig verwendet werden ohne mein Einverständnis. Vielen Dank für Ihr Verständnis.