Reitweise

Verlangen Sie von Ihrem Pferd nur Bewegungen, die in der Natur auch beobachtet werden. In der Wildnis geht ein Pferd zum Beispiel kaum rückwärts, meist nur einen Schritt in der Vorbereitung zum Steigen. Fordern Sie also nicht Ihr Pferd dazu auf, eine Bahnlänge rückwärts zu gehen.

Rasante Spins sind ebenfalls keine Bewegungsform, die in der Natur zu beobachten ist.

Das A und O für ein humanes Reiten bei höheren Anforderungen ist die Versammlung, zu der nur ein gerades Pferd imstande ist. Pferde versammeln sich auch in der Natur zur Ausführung außergewöhnlicher Bewegungen. Fundierte Erläuterungen zu den in freier Natur beobachtbaren Bewegungen und Verhaltensweisen finden Sie in Jaime Jacksons Buch The Natural Horse.

Viele Pferde sind schief. Man vermutet, dass dies aus der monatelang gekrümmten Haltung des Fohlens im Mutterleib herrührt. In der Natur richtet sich das Pferd automatisch selbst gerade durch ausreichend natürliche Bewegung und Biegung. Die Haltungsform "Paddock Paradise" eignet sich sehr gut, um ein schiefes Pferd gerade zu richten, vorausgesetzt es bietet ausreichend Stimulation zu natürlicher Bewegung.

Ein Pferd ist schief, wenn es eine steife und eine biegsamere Seite hat. Die Hufabdrücke bilden mehr als zwei Spuren, das heißt die Abdrücke der rechten Vorder- und Hinterhand zum Beispiel liegen nicht auf einer Linie. Es bevorzugt eine bestimmte Hand im Galopp.

Wird ein schiefes Pferd zu intensiv gearbeitet, führt dies aufgrund mangelnder Versammlung zu Schäden im Bewegungsapparat. In manchen Fällen wächst solchen Pferden ein Bockshuf, der quasi die Funktion einer Krücke übernimmt, um dem Pferd eine Vermeidungshaltung oder -bewegung zu ermöglichen, die die Belastung einer bestimmten Körperpartie reduziert oder Schmerz lindert. Meist wird dies in den Vorderhufen beobachtet,es kann jedoch auch in der Hinterhand vorkommen. Der Bockshuf hat einen sehr steilen Zehenwinkel, der gegenüberliegende Huf wird größer und ist weniger steil in der Zehenwand. Der Bockshuf darf dem Pferd nicht weggeschnitten werden, vielmehr muss versucht werden, die Ursache im Oberkörper zu finden und zu heilen. Sind Gelenke geschwollen oder heiß? Sind Verkalkungen an der Wirbelsäule tastbar? Sind Sehnen oder Schäfte geschwollen, treten gekrümmt hervor, sind heiß? All dies gibt Hinweise auf die wirkliche Ursache oder Störung, die die Veränderung im Huf bewirkt hat.  

Ist der Schaden permanent, so fällt oft die Diagnose "Strahlbeinlahmheit". Die Ursache ist nicht im Strahlbein oder irgendwo anders innerhalb der Hufkapsel zu suchen, auch wenn der augenfällige Bockshuf dazu verleitet. Die Schädigung befindet sich im Oberkörper und die Verformung des Hufes versucht, Linderung zu schaffen. Der Bockshuf selbst ist nicht schmerzhaft.