Fütterung

Schauen wir nochmal rein in die "homerange" der Wildpferde in Nevada. Was sehen wir? Karge Landschaft, dürr, wenige Grashälmchen weit auseinander. Wie kann man da satt werden? Man muss sich seine Hälmchen zusammen suchen. Man isst auf der Wanderschaft, ständig in Bewegung. Die Pferde folgen täglich ihren eingespielten Routinen auf ihren Pfaden, diese führen sie von Aktivität zu Aktivität: fressen, staubbaden, Hälmchen und Triebspitzen nibbeln, Schatten aufsuchen, in den Sträuchern und an Rinde knabbern, mineralreiche Erden lecken oder kauen, wieder fressen, zum Wasserloch wandern, trinken und abkühlen, sich treffen mit anderen Familien, raufen, Kräfte messen, Rangordnung festigen, evtl. Familienmitglieder abgeben oder dazu erobern, weiterziehen…

Great Basin, Sept. 2015


        

Was machen unsere domestizierten Pferde? In den meisten Fällen stecken wir unsere Vierbeiner auf ein rechteckig umzäuntes Stück grüne, fette, saftige Koppel und wundern uns, warum sie sich kaum bewegen, zu dick werden und sich langweilen. An Regentagen: Paddock mit Spielzeugball. Hinzu kommt, dass es sich bei den heutigen Gräsern um Hochleistungsgräser handelt, an deren Inhaltsstoffen seit mehr als hundert Jahren „gefeilt“ wird, um ihren Energiegehalt zu steigern. Die ungedüngten, einmahdigen Magerwiesen oder Moosheuwiesen mit ihren Magergräsern von früher wurden drainiert und werden gedüngt, damit die energiereicheren Süßgräser günstige Standortbedingungen vorfinden und der Ertrag und die Rendite maximiert werden können. Das Mastvieh nimmt schnell zu, die Kühe geben mehr Milch, - die Pferde werden krank. Nicht, dass ich glaube, dass dieses energiereichere Futter für Kühe unbedenklich ist. Die Lebenserwartung einer Milchkuh beträgt heute jedoch im Durchschnitt nur noch 5 Jahre, im Gegensatz zu den 25 Jahren früherer Zeiten… Sie hätte gar keine Zeit,eine allmählich entstehende Stoffwechselkomplikation zu entwickeln… Nicht so die Pferde. Die Fühligkeit des letzten Sommers wird zu einzelnen Reheschüben in diesem Sommer und zur chronischen Rehe in allen weiteren Weideperioden. Oft erkennen Pferdebesitzer den Zustand eines Hufes gar nicht oder nicht rechtzeitig.  

Pferde gelten heute als insulinresistent, das ist eine Form von Diabetes. So wie wir Menschen uns zu fett und zu süß ernähren und Zivilisationskrankheiten auf dem Vormarsch sind, so bleibt die zu energie- und insbesondere fruktanreiche Ernährung unserer Pferde ebenfalls nicht ohne Folgen.

Wenn Sie ein gesundes Pferd mit gesunden Hufen haben wollen, dann versuchen Sie, mit der Fütterung Ihres Pferdes möglichst nahe an das natürliche Nahrungsangebot im Great Basin zu kommen.

  • Raufutter sollte 24 Stunden am Tag zur Verfügung stehen. Es ist sinnvoll, Heunetze zu verwenden. So fressen die Pferde kleine Mengen über einen großen Zeitraum verteilt.
  • Reichen Sie Heu aus fruktanarmen Grassorten. Auch über die Schnitthöhe und die Tageszeit, zu der gemäht wird, kann man den Fruktangehalt beeinflussen. Fruktan lagert sich vor allem im unteren Bereich des Grasstängels ab, nicht so sehr im Blatt. Mit einer etwas höheren Schnitthöhe beim Mähen sinkt folglich der Fruktangehalt im fertigen Heu.
  • Füttern Sie maximal 5-10 % Leguminosen (Klee, Luzerne,...) und maximal 5-10% Stroh. Beide können zum Problem werden für Pferde, die leicht an Hufrehe erkranken und sollten dann eventuell ganz vermieden werden.
  • Meiden Sie Weidegang komplett. Die Fruktanschwankungen im Weidegras sind sehr problematisch. Besonders hoch ist der Fruktangehalt im Gras bei Überweidung, Trockenheit, nach sonnigen Tagen und kalten Nächten und überhaupt immer, wenn das Gras gestresst ist.
  • Als Getreide eignet sich lediglich Hafer, der ganz oder gequetscht gefüttert werden kann. Frisch quetschen reduziert die Schimmelbildung. Füttern Sie nur je eine Tasse bis zu einem Pfund morgens und abends, am besten mit Heu vermischt.
Keine Melasse bitte
  • Achten Sie bei Mineralfutter, Minerallecksteinen und allen Zusatzfutterarten darauf, dass keine versteckten Zuckerarten ins Pferd gelangen. Diese sind zum Beispiel Maissirup, Melasse oder Rübenschnitzel. Mit einer bestimmten Menge an Zucker je kg Lebendgewicht kann man in Pferden mit 100%iger Wahrscheinlichkeit Laminitis auslösen! Christopher Pollitt von der Australian Equine Laminitis Research Unit an der University of Queensland in Australien hat tatsächlich Tests dazu an lebenden Pferden durchgeführt.
  • Bieten Sie Ihrem Pferd Mineral- und Salzlecksteine und Wasser 24 Stunden am Tag an zur freien Verfügung.
Hagebuttenzweige
  • Vitaminkonzentrate und konzentrierte Mineralzusatzfutter stehen in Verdacht, Verdauungs- und Stoffwechselprobleme auszulösen. Sicherer sind frisches Obst und Gemüse, geschnitten, je eine Tasse dreimal täglich. Außerdem lieben Pferde die Gabe von frischen (ungiftigen!) Zweigen. Frisch gesammelt enthalten sie viele Vitalstoffe. Hagebutten zum Beispiel sind gut für die Hufe.
  • Verabreichen Sie Wurmkuren nur wenn nötig. Vielleicht lassen Sie ja eine Kotprobe auf Befall untersuchen und können so zuweilen auf eine Entwurmung verzichten?
  • Impfen Sie nur wenn unbedingt nötig und möglichst nicht als Mehrfachimpfungen.

Der Pferdemagen ist relativ klein und produziert ständig Magensäure, auch bei leerem Magen. In diesem Fall greift die Magensäure den Magen an und ein Magengeschwür kann entstehen. Am besten funktioniert der Pferdemagen, wenn kontinuierlich Nahrungsbrei durch ihn hindurchwandert. Hier unterscheidet sich das Pferd vom Menschen, bei dem die Magensäureproduktion mit dem Essen angeregt wird.  

Wenn Pferde zwei- oder dreimal täglich große Futtermengen hinunterschlingen, so ist der kleine Magen schnell überfordert. Dann gelangt unverdaute Nahrung  bereits nach 20 Minuten statt 2 Stunden Verweildauer vom Magen in den Dünndarm. Dies führt zu Fehlfermentierung oder Fäulnisprozessen, und dadurch zur Freisetzung von Toxinen.  Die Entgiftungsorgane werden belastet und das nur teilweise verdaute Futter erhöht das Risiko für Verstopfungskoliken.

Ferner lernt das Pferd durch die stundenlangen Hungerpausen zwischen den Mahlzeiten, sein Futter gierig hinunterzuschlingen. Der Kreislauf beginnt von neuem.  

 

Wachstumsringe infolge von Entzündungsprozessen in der Huflederhaut. Sie werden u.a. verursacht durch Toxine, zu fruktanreiche Ernährung, Wurmkuren, Impfungen oder Störungen in der Verdauung aufgrund von abrupten Änderungen in der Fütterung.

Fotonachweis: 

Alle Fotos auf dieser Seite (Fütterung) mit Ausnahme des Fotos mit dem Untertitel "Keine Melasse bitte"  wurden von mir selbst angefertigt. Die Fotos dürfen nicht heruntergeladen und anderweitig verwendet werden ohne mein Einverständnis. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Quelle Foto "Keine Melasse bitte":  

http://www.vitamor.com/page.htm?/voeding/melasse.htm&Introductie

Das Foto wurde von mir verändert (rotes Kreuz).